Hier eine Kurze Zusammenfassung, von dem, was vor einem Austauschjahr passiert.
Anfang der 7. Klasse (also 11. Schulstufe) bekamen wir eine neue Schülerin in die Klasse: Sarah. Sie war genauso Japan-verliebt wie ich und wir beide hatten davon geträumt, einmal nach Japan zu gehen. Und so entstand, ganz plötzlich und spontan, die Idee, die allerletzte Chance vor unserem Schulabschluss (in AUT 8. Klasse/12. Schulstufe) zu nützen, und unser Glück zu versuchen.
Mein primäres Problem war es, meine Eltern zu überzeugen. Nach einer ernsten Diskussion über unsere finanzielle Lage sowie den Positiven Aspekten eines Austauschjahres, konnte ich meine Mutter überzeugen. Mein Vater war ein schwierigerer Fall, das wusste ich. Darum blieb die ganze (sowieso noch vage) Sache ein Geheimnis vor ihm.
Als erstes Stand die Wahl der Austauschorganisation an.
Weil es bereits November war, und wir uns ein nicht so konventionelles Austauschland ausgesucht hatten, war unsere Auswahl bereits stark eingeschränkt; vor allem weil in Japan das Schuljahr im März, nicht wie bei uns im September beginnt. (Dies schloss YFU aus) Eine weitere Frage, die sich uns stellte:
Können Österreicher mit Deutschen Organisationen fahren?
Die Antwort ist: JA. Wir fragten viele Deutsche Organisationen, und bei keiner stellte das ein Problem dar.
Verzweifelt meldeten wir uns bei vielen Organisationen vor an: AFS, EF, Experiment, DFSR, Ayusa. AFS hatte keine Japan Plätze mehr, Experiment war viel zu teuer, und sowieso und überhaupt waren die Organisationen (unseres Erachtens ;P) viel zu vage mit einer klaren Zusage, ob Plätze frei waren oder nicht. Erst eine Weile später fiel Sarah ein, dass sie schon einmal einen Austausch erwogen hatte, und zwar mit KulturLife. Ich ging auf die Seite und da war es: “RESTPLÄTZE FÜR JAPAN”
Nicht nur waren Restplätze vorhanden: Mit einer Online-Voranmeldung konnte man sich außerdem unverbindlich einen Platz vorreservieren! Das taten wir dann auch und bekamen 1 Woche später die Anmeldungsunterlagen zugeschickt. Damit stand es fest: KulturLife.
KulturLife ist eine verhältnismäßig kleine Organisation. Das hat Vor- und Nachteile:
Die Betreuung war sehr nett und persönlich, allte Mitarbeiter waren hilfsbereit und stets für Fragen (auch für dumme) offen.
Weil aber KulturLife eher klein ist, hat es keine Zweigstellen in den Austauschländern, sondern arbeitet mit Partner Organisationen. Ich kann nicht beurteilen, wie gut die Partnerorganisationen in den anderen Ländern sind, doch bis jetzt (noch bin ich nicht weg) hat der HIPPO-CLUB in Japan seine Sache gut gemacht. Gastfamilien vom Hippo-Club in Japan werden nicht bezahlt.
Schritt 2: Die Anmeldung
Sarah und ich nahmen unsere Anmeldung sehr ernst, wir verbachten Stunden und Tage damit, alles wahrheitsgetreu und korrekt auszufüllen. Das würde ich jedem Austauschschüler empfehlen, denn im Endeffekt sind es diese Unterlagen, die den ersten Eindruck nicht nur für die Partnerorganisation bilden, sondern auch für die Schule (die in Japan beim Austausch eine sehr große Rolle spielt), und vor allem: für die Familie
Sie wollten alles wissen. Adresse, Familienstand, Einkommen der Eltern, Hobbys, mein Tagesablauf, Essgewohnheiten, Erwartungen, Vorhaben, Brief an meine (noch unbekannten) Gasteltern, Fotos und sie wollten einen kompletten Gesundheitscheck, samt Lungendurchleuchtung, Blutabnahme und Harnprobe.
Nachweisliche (minimale) Sprachkenntnisse sind vonnöten! Ich und Sarah hatten das Glück, dass Japanisch bei uns in Graz als Freigegenstand angeboten wird, und wir beide schon Japanisch gelernt hatten. Sonst wäre die kurzfristige Anmeldung daran gescheitert! Eine Abschrift sämtlicher Zeugnisse sowie eine Beurteilung von einem meiner Lehrer musste mitgeschickt werden.
Bevor ich die Anmeldung abschickte, musste ich noch etwas erledigen: Mit meinem Vater reden. Ich hatte mich unglaublich gut vorberreitet und nach einer ewigen Einleitung fragte er plötzlich: “Wohin willst du? Nach Amerika?” Ich entsetzt: “Nein! Japan!” Er: “Japan? Japan klingt gut. Amerika hätte ich dir nicht erlaubt…”
Japan ist ein sicheres Land. Noch bin ich nicht dort, und darum möchte ich mir nicht anmaßen, großartig zu beurteilen, aber von allem was ich gehört habe, ist die Wahl des Landes mit Japan sicher kein Risiko!
Schritt 3: Vertrag - Regeln, Angebote, Kosten.
Eines der wichtigsten Themen bei meinem Austausch war das Geld. Wir sind nicht mittellos, aber einfachso mal eben 7000 Euro aus der Tasche zu schütteln ist nicht leicht.
Hier ist eine Übersicht der Leistungen, die Kultur Life für seinen Preis stellt:
Programmpreis: 7290€; Including:
- Transport vom Heimatland und zurück
- Transport vom Flughafen bis zur Gastfamilie (und zurück)
- Aussuchen der Gastfamilie + dortiges leben (sie wird nicht bezahlt!)
- Schulkosten
- “Preparation Session in Tokyo”
- Hilfe und Unterstützung, 24/7, vor Ort und im Heimatland
Not Including:
- Schulbücher (können ausgeliehen werden)
- Schuluniform (kann größtenteils ausgeliehen werden)
- Transport von- und zur Schule
- Schulausflüge (es gibt eine Klassenfahrt in jeder Schule, die ~250€ kostet und mir von einer Ehemaligen sehr ans Herzen gelegt wurde)
- Lunch in der Schule (Familien geben üblicherweise Bento mit)
- Persönliche Ausgaben /Taschengeld (zu rechnen mit 150-200€ / Monat)
- Versicherung
Zur Versicherung: KulturLife bietet ein Versicherungspaket (Kranken,Haftpflicht, Unfall, Gepäck) an für 1,50€/Tag - mit Stornoversicherung kommt das auf etwa 600€ für das Austauschjahr. Das ist das beste Angebot, das ich und meine Familie gefunden haben, als wir uns nach Alternativen erkundigt haben.
Regeln: Der Hippo-Club hat ein paar Regeln, die (teilweise) ungewöhnlich sind, und die ich hier hervorheben möchte.
- Herumreisen (auch mit der Gastfamilie!) ist sehr kompliziert und erfordert die Einverständniserklärung von sämtlichen zuständigen Personen.
- Rauchen & Alkohol ist tabu, denn in Japan erst ab 20 erlaubt!
- Man darf keinen Sex haben, den Führerschein nicht machen, die Religion nicht wechseln, nicht heiraten
- Gefährliche Aktivitäten (Extremsportarten) sind nicht erlaubt.
- Austauschschüler dürfen keine Handys besitzen! Die Begründung des Hippo Clubs ist wohl die, dass es in Japan keine prepaid Handys /Guthabenhandys gibt, und deshalb ein Vertrag abgeschlossen werden müsste, der zu Schulden führen könnte.
- Austauschschüler müssen mind. 1x/Woche an Hippo-meetings teilnehmen. Hippo meetings sind, laut Erzählungen, einfach nette Treffen von Leuten, die sich für fremde Kulturen und Sprachen interessieren. Dieser Punkt hat mich sehr misstrauisch gemacht, klang so “sektenmäßig”, ist aber nichts bedenkliches, außer vllt, dass ihr ein oder zwei Wochenenden, an denen ihr mit Freunden was unternehmen wolltet, opfern müsst.
Schritt 4: Das Interview
Nach ewiger Wartezeit (so schien es uns, obwohl es nicht einmal ein Monat war) bekamen wir Zusage! So glücklich war ich wohl noch nie in meinem Leben… und damit wurde die nächste Runde eingeleitet: Das Interview.
Das Interview wurde, weil Sarah und ich ja Österreicherinnen sind und keine Angestellten von KulturLife hier arbeiten, von einer ehemaligen Austauschschülerin durchgeführt. Im Vergleich zu dem EF-Interview (das wir in der Phase unserer Unsicherheit, welche Organisation wir nehmen sollten, gemacht hatten) harmlos. Alles was bei dem USA-fixierten EF persönlich und auf Englisch (!) gefragt wurde, hatten wir größtenteils mit der schriftlichen Anmeldung erledigt. Es war mehr ein lockeres Gespräch, indem wir ein bisschen über unsere Lebensart, Vorstellungen, Erwartungen und unsere Selbstwahrnehmung reden mussten. Also kein Problem.
Schritt 5: Das Vorbereitungstreffen
Die Übernachtung + Verköstigung am Vorbereitungstreffen wurde von KulturLife übernommen, nicht jedoch die An- und Abreise. Es gibt aber sehr günstige Busse (Wien-Berlin um 70€ und zurück!), also war es nicht so tragisch.
Zum Vorbereitungstreffen waren auch die Eltern eingeladen und es wurde, um ehrlich zu sein, das besprochen, was ich schon längst wusste. Ich hatte sehr viel recherchiert und KulturLife mit Fragen bombardiert … für mich war es selbstverständlich, all die Fragen die dort besprochen wurden, schon vor Vertragsabschluss zu klären. (”Werden Gastfamilien bezahlt?” Versicherung, Visa etc…)
Interessant ist vielleicht der Punkt über Kontakt zum Heimatland: HIPPO möchte nicht, dass man zu regen Kontakt zum Heimatland unterhält, damit Heimweh vorgebeugt wird und man wirklich lernt, sich dort zu Hause zu fühlen. Deshalb sehen sie es ungerne, wenn man zu oft im Internet ist. Sprich: Rechnet NICHT damit, dort mehr als 1, 2 Mal in der Woche ins Internet zu gehen. Es ist eine Sache der Höflichkeit, auch gegenüber der Gastfamilie. …. So wurde uns das gesagt, wie streng es im Endeffekt ist, hängt natürlich immer von der Gastfamilie ab. Aber auch aus diesem Grund beschloss ich, einen online-blog zu führen, den ich ja auch handschriftlich schreiben und 1xwöchentlich übertragen kann.
Am Vorbereitungstreffen hat mir eines sehr geholfen: Juliane, eine ehemalige Japan-Austauschschülerin. Sie hat viel von ihrem Jahr erzählt. Sie hat damals (04/05) einen Gastfamilienwechsel miterlebt. Sie meinte, man sollte einer Gastfamilie auf jeden Fall 3 Monate Zeit geben, wenn es dann nicht klappt, kann man nicht nur mit der Familie selbst, sondern auch mit Zuständigen reden. Sie bekam eine andere Familie, mit der es ihr sehr gut ging und zu der sie noch immer Kontakt hat.
Schritt 6: Visum
Im Gegensatz zur Amerikanischen Botschaft, macht die Japanische überhaupt keine Probleme. Sobald eine Schule auserwählt ist bekommt man ein sogenanntes “Certificate of Eligibility” zugeschickt. Ich habe bei der Botschaft angerufen und sie sagten mir folgendes:
Bringe ein Passfoto, deinen Reisepass und das Certificate zu den Öffnungszeiten in die Botschaft. Wenn du es an einem Vormittag bringst, kannst du’s dir am Nachmittag abholen. Das ist alles. Das Visum kostet nichts. ^^
Gut hiermit habe ich alle Dinge, die VOR der Abfahrt geklärt werden müssten, kurz zusammengefasst.
Was ich bis jetzt so geschrieben habe, über meine Gastfamilie etc, könnt ihr derweil http://16herzen.livejournal.com lesen. Sobald ich in Japan bin, werde ich die Beiträge entweder verlinken, oder reinkopieren. Je nachdem, wie es die Zeit erlaubt. Mein LJ ist nämlich immer noch meine Priorität ^^°…